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Oktober-Palast in Kiew auf Institutskaja-Straße.

Dieses wunderbare Gebäude im Zentrum von Kiew kennt jeder. Der ehemalige Oktober-Palast der Kultur, heute das Internationale Zentrum für Kultur und Kunst ist ein Meisterwerk der Architektur, das im 19. Jahrhundert erbautt wurde. Der berühmte damalige Architekt Vikentiy Beretti hat das Gebäude entworfen. Der erste Ziegelstein für den Bau des Palastes wurde im Jahre 1838 gelegt.

Nur aus der Vogelperspektive kann man die Schönheit des ganzen eigenständigen Baus erkennen. Es enthält einen der schönsten Theatersäle in Kiew. Darin finden mehr als 2000 Zuschauer Platz. Die großzügige Empfangshalle, komfortable Klassenzimmer, Marmor und zahlreiche Spiegel – das alles versetzt den Besucher in eine festliche Stimmung.

 

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Der ehemalige Oktober-Palast in Kiew.

Geschichte. 

Die Geschichte des heutigen internationalen Zentrums der Kultur und Kunst ist ein Spiegelbild der historischen Ereignisse in der Ukraine und hat einige Abschnitte. Sie beginnt damit, dass der pensionierte General Dmitry Begitschew ein großes Grundstück auf dem Hügel neben dem Khreschchatyk hatte. Im Juli 1834 teilte er dem Generalgouverneur Wasily Levaschew mit, dass er bereit ist, dieses Gelände der „Kiewer Universität vom Fürst Wladimir“ ohne Entschädigung zu übertragen. Dieses Angebot nahm die Universität dankbar an. Einige Zeit befand sich im Haus von Begitschew die Bibliothek der Universität, aber bald danach initiierte W. Levaschew die Gründung des Erziehungsinstituts für adlige Fräulein. Die Straße vor dem Institut wurde deshalb Institutskaja genannt. Im Volk nannte man sie auch Fräulein-Straße.

 

Das erste Gebäude des Instituts.

Das erste Gebäude des Instituts.

Erste Etappe. Am 3. September 1838 wurde hier das Erziehungsinstitut für adlige Fräulein eröffnet. Im selben Jahr wurde das Hauptgebäude errichtet, wohin die Studierenden des Instituts im Jahre 1843 umzogen. Für den Unterricht wurden Professoren der Kiewer Universität eingeladen. Das Institut nahm 10- bis 13-jährige Mädchen edler Herkunft, Töchter von Beamten nicht unter der 8. Klasse, und seit 1852 auch Töchter der ehrenwerten Bürger und Kaufleute, Ausländer und Priester auf.

Jedes Jahr hatten die Studenten Studiengebühren von 800 bis 1000 Rubel zu bezahlen. Für die Hälfte der Schülerinnen kam jedoch die Staatskasse auf. Die Eltern mussten für die Zulassung folgende Unterlagen mitbringen: eine Petition an den Chef des Instituts, eine Bescheinigung des Adels und der Taufe, ein Dokument über den Stand der Gesundheit, ein Zeugnis über die Impfung gegen Pocken, Daten zur Grundschulbildung und eine schriftliche Verpflichtung zur fristgerechten Zahlung für das Studium.

Ein komplettes Studium dauerte sechs Jahre, mit einer Vorbereitungsklasse sieben Jahre. Der Kurs war in drei Klassen aufgeteilt, in jeder Klasse studierte man zwei Jahre lang. Das akademische Jahr dauerte elf Monate, der Start war der 1. August. Der Inhalt des Studiums wurde nach Altersstufen eingeteilt.

  1. In der ersten Altersgruppe (6-9 Jahre) standen das Gesetz Gottes (die Bibel?), Russisch und Fremdsprachen (Französisch, Deutsch und Italienisch), Rechnen, Zeichnen, Handwerk und Tanz auf dem Stundenplan.

  2. In der zweiten Altersklasse (9-12 Jahre) kamen zu den oben genannten Fächern noch Geschichte, Geographie, Fähigkeiten im Haushalt hinzu.

  3. In der dritten Altersstufe (12-15 Jahre) wurden die gleichen Themen studiert, dazu kamen Sprachwissenschaft, Physik, Architektur und Heraldik (letztere bis 1783).

  4. Die ältesten Studentinnen (15-18 Jahre) wiederholten den gelernten Stoff und widmeten sich intensiv der Hauswirtschaft und Handarbeiten. Die Schülerinnen dieser Altersgruppe waren fast bereit, um selbst zu unterrichten. Sie konnten schon in den Anfängerklassen unterrichten und konnten sich dadurch optimal auf den Lehrerberuf vorbereiten.

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Die Studentin der zweiten Klasse.

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Die Absolventin im weißen Kleid.

Die Studentinnen im Erziehungsinstitut.

Die Studentin im Erziehungsinstitut.

Das Kiewer Institut für Edle Jungfrauen war berühmt für seine musikalische Ausbildung. Einige der Absolventinnen haben sich einen Namen als Pianistinnen und später Opernsängerinnen gemacht.

Auf dem mysteriösen Hof war das Gebäude des Instituts.

Das Gelände von D.Begitschew genoss einen seltsamen, fast mystischen Ruf. Der Besitzer war als Freimaurer, ein Mystiker, Astrologe und Magnetiseur bekannt. Seine Familie lebte in einem dreistöckigen Haus tief im weitläufigen Park. In diesem geheimnisvollen Freimaurer-Nest versammelte sich “der philosophische Kreis”. Mitglieder waren vor allem philosophische Schriftsteller, Künstler und andere Menschen aus freien Berufen und sogar ein Unternehmer einer Zuckerfabrik. Um dieses Gelände gab es in Kiew verschiedene unglaubliche Gerüchte.

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Erziehungsinstitut in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Maidan.

Das ursprüngliche Gebäude des Instituts sah so aus: im ersten Stock gab es einen Schreibtisch mit einem Kleiderschrank, Flach Chef (verstehe ich nicht), einem Mitarbeiterraum und einem kleinen Krankenhaus. Ein wesentlicher Teil auf der zweiten Etage war der Tagungsraum, es gab auch eine Bibliothek und Klassenräume. Auf der dritten Etage befanden sich Schlafzimmer für die Fräulein und für die Lehrer. Die Küche, verschiedene Lagerräume, eine Sauna und die Zimmer für die Dienerschaft waren im Keller. Im Erdgeschoss war die katholische Kirche, im zweiten und dritten Stock gab es auch eine orthodoxe Kirche. In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurde das Gebäude rekonstruiert, neue Räume und die Säulen wurden beim Eingang dazu gebaut.

Zweite Etappe. Nach 1917 war das Erziehungsinstitut nicht mehr „in Mode“. Das Gebäude wurde im Bürgerkrieg stark beschädigt, aber nachher wieder repariert. Neue Räume wurden an der linken und rechten Seite errichtet. 1934 wurde Kiew die Hauptstadt der Ukrainischen Sowjetischen Republik und das ganze republikanische Ministerium zog hierher. Die ehemaligen Räumlichkeiten des Instituts nutzte nun die Organisation des Volkskommissariats (NKWD genannt). Dadurch wurden die Unterrichtsräume und besonders das Kellergeschoß zur Bühne des Großen Terrors. Hier wurden Menschen gefoltert, ermordet und zahlreiche Bürger wurden auch von hier in den Wald in der Nähe von Kiew transportiert. Tag und Nacht hörte man neben diesem Haus das Menschengeschrei.

Dritte Etappe. Als die Nazis Kiew besetzten, brannte die Innenstadt mit dem Gebäude des NKWDs. Explosionen und Feuer zerstörten alle Stockwerke. Ein paar Jahre nach der Stadtbefreiung lag das Haus in Trümmern. Später begann eine Gruppe von Architekten, das Gebäude wieder aufzubauen. Heute befindet sich in diesen Mauern das Kulturzentrum. Nach der Rekonstruktion ist das Gebäude etwas anders geworden. Hier wurden eine Halle mit 2180 Plätzen und eine großzügige Empfangshalle dazu gebaut. Die prächtigen Säulen wurden vergrößert. Und in den Kellern, wo vor dem Krieg Menschen gefoltert und erschossen wurden, befinden sich Büros und Umkleideräume.

 

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Oktoberpalast in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Der ehemalige Oktober-Palast wurde im Jahr 1958 eröffnet. Bis zum Bau des Palastes “Ukraine” (1970) war er der wichtigste Schauplatz für große Kongresse, Tagungen und Konzerte in der Ukraine. Im April 1966 versammelte sich hier die Kommunistische Jugendorganisationk, zu Besuch kam auch der erste Kosmonaut Juri Gagarin.

Vierte Etappe. 2014 wurde der Palast wieder zur Bühne der politischen Ereignisse. Während den Euromaidan-Protesten im Zentrum von Kiew, die mehrere Monate dauerten, nutzten etwa 150 Aktivisten das Gebäude. Sie wärmten sich dort auf und schliefen im Palast, weil es draußen sehr kalt war. Die Verantwortlichen des Gebäudes hatten Verständnis dafür. Im Februar 2014 versteckten sich in diesem Gebäude die „Berkut“-Polizeieinheiten. Sie haben später Aktivisten auf dem Maidan erschossen.

 

 Februar 2014. Neben dem ehemaligen Oktoberpalast.

Februar 2014. Neben dem ehemaligen Oktoberpalast.

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Euromaidan 2014.

Am 24. Februar, nachdem der ehemalige Präsident Janukowitsch schon geflohen war und die Polizisten sich zurückgezogen hatten, konnten wir dort überall die Blutflacken und zahlreiche Kugeln sehen. Wenn Sie nach Kiew kommen, machen Sie unbedingt eine Stadtführung in dieser Gegend.

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