Browse By

Juden in Kiew im Jahre 1941

Die Vernichtung von Juden in Kiew hat im September 1941 angefangen.

Das war eine schlimme Zeit. Am 28. September liess der von der 6. Armee eingesetzte Stadtkommandant Generalmajor Kurt Eberhard 2000 Plakate in der ganzen Stadt aufhängen. Der Wortlaut ist im Band «Verbrechen der Wehrmacht – Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941–1944», nach der gleichnamigen Ausstellung, dokumentiert: «Saemtliche Juden der Stadt Kiew und Umgebung haben sich am Montag, dem 29. September 1941 bis 8 Uhr Ecke der Melik- und Dokteriwski-Strasse (an den Friedhoefen) einzufinden. Mitzunehmen sind Dokumente, Geld und Wertsachen, sowie warme Bekleidung, Waesche usw. Wer dieser Aufforderung nicht nachkommt und anderweitig angetroffen wird, wird erschossen.»

Der Aufruf, dem eine Bekanntgabe über eine Aktion zur Umsiedlung der Kiewer Juden vorangegangen war, wurde von über 30 000 Personen befolgt, die für den Abtransport verantwortliche Wehrmacht hatte mit maximal 7000 gerechnet. Zu Fuss gelangten die Menschen in die Schlucht Babi Jar, wo sie dann in zwei Tagen ermordet wurden. Nach den offiziellen Berichten der Einsatzgruppen erschoss das Sonderkommando 4a unter SS-Standartenführer Paul Blobel insgesamt 33’771 Personen. Unterstützt wurde es dabei von Wehrmachtseinheiten und Polizeibataillonen sowie von der ukrainischen Hilfspolizei. Nur wenige Personen überlebten das Massaker, ihre Berichte über den Massenmord sind ebenso erhalten wie die von Tätern.

In der «Ereignismeldung UdSSR» vom 7. 10. 1941, einer geheim übermittelten Meldung der Besatzer aus Kiew, stellte die Einsatzgruppe C ihre Effizienz heraus: «Die Aktion selbst ist reibungslos verlaufen. Irgendwelche Zwischenfälle haben sich nicht ergeben. . . . Von der Wehrmacht wurden die durchgeführten Massnahmen ebenfalls gutgeheissen.»

Die Vernichtung von Juden, 1941

Viele Täter waren nie vor dem Gericht

Die juristische Aufarbeitung der Massenmorde zeigt grosse Lücken. SS-Offizier Paul Blobel wurde 1948 zum Tode verurteilt und 1951 gehängt. Der Kommandant der 6. Armee, Generalfeldmarschall Walter von Reichenau, starb bereits 1942, General Eberhard nahm sich 1947 das Leben. Auch die meisten anderen Verantwortlichen und Täter mussten sich nie vor Gericht verantworten.

Der in Freiburg im Breisgau lehrende Historiker Wolfram Wette setzt die Massenmorde, die in der Erinnerungskultur des Westens nicht besonders präsent sind, in einen Bezugsrahmen zum Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz.

Wie das Wort Auschwitz symbolisch für den fabrikmässigen Massenmord an den Juden durch Gaseinsatz stehe und im weiteren Sinn für die Ermordung der europäischen Juden überhaupt, sei Babi Jar gleichsam «ein Synonym des Westens für die Massenexekutionen durch mobile SS-Truppen in den ersten beiden Jahren des Ostfeldzugs».

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.